Das Gütesiegel für Freiheit, Nationalstolz und Wohlergehen: Bargeld | Themenbeitrag

Franken und Rappen prägen unsere Schweizer Identität, was durch Bargeld im wahrsten Sinne greifbar ist.
Geld entstand mit der Entwicklung des Tauschverkehrs: Der zweiseitige Akt des Naturaltausches wurde in zwei einseitige Akte des Kaufs und des Verkaufs zerlegt. Bereits früh im Altertum gab es metallene Münzen, erst später im 18. Jahrhundert in Europa kam das Papiergeld hinzu. Geld erleichterte den Wirtschaftsverkehr erheblich. Diese Entwicklung wurde weiter intensiviert: Kreditkarten waren in den 1950er-Jahren ein Prestige- und Statusobjekt, gedacht für Eliten. Dann jedoch erkannten die Banken darin eine Goldmine, die bereits damals die Konsumentenschulden ansteigen liess und dies auf wenig kontrollierbare Art.
Heute allerdings wird das Bargeld zunehmend infrage gestellt, bis hin zu seiner Abschaffung.
Das ist der völlig falsche Weg, denn Bargeld hat gegenüber der Kreditkarte zahlreiche Vorteile:
- Franken und Rappen prägen unsere Schweizer Identität, was durch Bargeld im wahrsten Sinne greifbar ist. Praktisch alle Kreditkartenfirmen sind in ausländischem Besitz. Wir bezahlen zwar mit Franken, aber das ist dann eine sehr abstrakte Grösse.
- Bargeld fördert unsere kognitiven Funktionen. Wir müssen jeweils abstimmen, wie viel wir geben sollen, und auch schauen, wie viel wir zurückbekommen. Wir sind uns bewusst, wie viel wir ausgeben. Eine Kreditkarte halten wir hingegen nur hin, allenfalls müssen wir einen Code angeben.
- Bargeld schützt uns vor Betrug. Bei Kreditkarten besteht die Gefahr, dass ein Betrag doppelt berechnet wird; oder auch eine neuere Masche: Wenn wir alles mit Kreditkarte bezahlen, verlieren wir den Überblick, denn die meisten schauen die Kreditkartenabrechnung nicht an. Dann gehen Betrüger hin und buchen jeweils, aber regelmässig, nur einen kleinen Betrag ab, der kaum auffällt.
- Über Bargeld haben wir die völlige Kontrolle, über Kreditkarten haben wir eigentlich keinerlei Kontrolle. Der Bezug von Bargeld ist weitgehend umsonst, jener von Kreditkarten ist oftmals teurer. Unternehmen verdienen mit Bargeld die volle Summe, mit Kreditkarten müssen sie einen Obolus entrichten. Auch das Argument, die Verwaltung von Bargeld sei aufwendiger, da es zur Bank gebracht werden müsse, trifft nur bedingt zu. Zudem hat es die Entwicklung gegeben, dass früher oft Geld in Unternehmen gestohlen wurde, heute sind es eher elektronische Geräte und andere wertvolle Waren und Gegenstände. Dies hat damit zu tun, dass weniger Bargeld in den Geschäftsräumlichkeiten aufbewahrt wird (AXA).
- Die Pandemie hat zu einem starken Rückgang des Bargeldgebrauchs geführt, von 70 Prozent im Jahr 2017 auf 30 Prozent im Jahr 2024. Dabei war die Verweigerung von Bargeld während der Pandemie der falsche Weg. Sie hing mit der Schwere der Pandemie und der Furcht vor dem Virus zusammen (Horvath et al., 2023). Denn: Als netter Bonus ist die Handhabung von Bargeld auch ein einfacher Weg, unser Immunsystem zu stärken.
Kreditkartenkäufe sind nicht anonym, durch die dabei anfallenden Daten wird man zum gläsernen Menschen. […N]ach nur 4 Einkäufen mit Kreditkarte [steht] mit 90% Sicherheit fest, wer der Besitzer oder die Besitzerin ist.
- Kreditkartenkäufe sind nicht anonym, durch die dabei anfallenden Daten wird man zum gläsernen Menschen. In einer MIT-Studie fand man, dass nach nur vier Einkäufen mit Kreditkarte mit 90-prozentiger Sicherheit feststeht, wer der Besitzer oder die Besitzerin ist (de Montjoye et al., 2015). Diese grosse Studie ist bereits mehr als zehn Jahre alt, heute dürfte noch viel mehr möglich sein. Alles, was man gekauft und bezahlt hat, ist für Dritte einsehbar und einer Person zuordenbar. Es gibt darauf spezialisierte Firmen, die diese Daten auswerten. Das kann sich bei der Job- oder Wohnungssuche negativ auswirken. Wenn jemand zum Beispiel häufig Bier oder Medikamente mit der Kreditkarte kauft, kann ein Arbeitgeber eine Anstellung aufgrund dieser Informationen ablehnen. Aber nicht nur Firmen haben Zugriff auf Daten, sondern auch andere Institutionen wie Krankenkassen. Bargeld ist nicht mit einer personalen Identität verbunden, man bleibt mit Bargeld anonym, mit der Kreditkarte nicht.
- Kreditkarten sind abhängig vom Stromnetz und vom Internet. In Europa kam es in der letzten Zeit wiederholt zu Stromausfällen, selten kam es auch bei mir und anderen zu Ausfällen des Internets. Ebenso können Hackerangriffe die Nutzung einer Kreditkarte verhindern. Dies ist bei Bargeld nicht der Fall.
- Kreditkarten führen dazu, dass man mehr ausgibt und auch Schulden anhäuft, man hat keine Kontrolle mehr über seine Ausgaben. Das freut sicher die Wirtschaft, kann aber Bürger und Bürgerinnen in Krisen stürzen, etwa durch Betreibungen, die ihrerseits die Wohnungssuche erschweren. Zudem hat dies Auswirkungen auf unser Hirn: Kreditkartenkäufe aktivieren das Striatum, das Belohnungszentrum, stärker als Bargeldkäufe, was eigentlich nicht nachvollziehbar ist. Kreditkarten reduzieren neural die Sensibilität für Preise, die bei ihnen eine geringere Rolle spielen als bei Bargeld (Banker et al., 2021). Kreditkartenkäufe schmerzen uns nicht, sondern machen sogar Freude (Ma et al., 2024; Wang et al., 2022). Das muss allerdings als Illusion aufgefasst werden, jedenfalls für den grössten Teil der Bevölkerung. Zudem birgt dies ein Suchtpotential sowie eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit (Sha et al., 2025).
- Kreditkartenbetrug kann man einfach vom Sessel aus machen, und das von jedem Land der Welt aus, was die Wahrscheinlichkeit verringert, dass die Betrüger verhaftet werden. Ein Diebstahl von Bargeld ist aufwendiger, und die Identifikation von Tätern ist einfacher, genauso wie die Festnahme. Wenn eine Karte gestohlen wird, ist die gestohlene Geldmenge theoretisch viel grösser als wenn man ein Portemonnaie stiehlt. So werden zwar noch immer mehr Diebstähle registriert, diese sind aber in den letzten zehn Jahren um 35 bis 40 Prozent stark rückläufig, während Kreditkartenbetrug um 30 bis 40 Prozent deutlich zugenommen hat (Bundesamt für Statistik). Das Gegenargument, dass es durch bargeldloses Zahlen weniger Diebstähle gebe, trifft nicht zu, da Kreditkarten genauso gestohlen werden können.
Die Kreditkarte hat als einzige Vorteile die Bequemlichkeit und Sorglosigkeit.
Das sind also viele Vorteile, die Bargeld bietet. Die Kreditkarte hat als einzige Vorteile die Bequemlichkeit und Sorglosigkeit. Dem widerspricht dummerweise, dass der Zürcher Kantonsrat am 12.1.2026 gegen eine Pflicht zur Annahme von Bargeld bei Behörden und Unternehmen war. Dieser Entscheid ging offenbar durch alle Parteien, es gab lediglich acht Gegenstimmen. Immerhin machten das Kunsthaus Zürich und der Weihnachtsmarkt Zürich rückgängig, dass nur mit Kreditkarte bezahlt werden konnte. Beim Selfcheckout lassen Migros oder Aldi nur Kreditkarten zu, Coop akzeptiert auch Bargeld, fährt dies aber zurück. Es gibt sogar Probleme bei Unternehmen, die Bargeld akzeptieren, dieses dann aber nicht herausgeben können, weil die meisten Kundinnen und Kunden mit Kreditkarten zahlen.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Kreditkarten, sie bieten auch Vorteile, zum Beispiel bei Geschäften mit dem Ausland oder für den schnellen Kauf bei beschränktem Kontingent. Kreditkartenbenutzer müssen sich jedoch bewusst sein, wann sie die Kreditkarte einsetzen, nicht für den Einkauf einer Dose Bier oder eines Gipfelis, sondern zum Beispiel weitgehend für Onlinekäufe. Was zudem nicht sein darf, ist, dass die Verwendung von Bargeld kostenintensiv ist, etwa bei der Bezahlung von Überweisungen am Postschalter. Bargeld muss jedoch weiterhin eine dominierende Rolle spielen, auch zum Vorteil der Wirtschaft und der Gesellschaft, und als Ausdruck der Unabhängigkeit der Schweiz. Hoch lebe das Bargeld!
Quellen:
Banker, S., Dunfield, D., Huang, A., & Prelec, D. (2021). Neural mechanisms of credit card spending. Scientific reports, 11(1), 4070. https://doi.org/10.1038/s41598-021-83488-3
de Montjoye, Y. A., Radaelli, L., Singh, V. K., & Pentland, A. S. (2015). Identity and privacy. Unique in the shopping mall: on the reidentifiability of credit card metadata. Science (New York, N.Y.), 347(6221), 536–539. https://doi.org/10.1126/science.1256297
Horvath, A., Kay, B., & Wix, C. (2023). The COVID-19 shock and consumer credit: Evidence from credit card data. Journal of banking & finance, 152, 106854. https://doi.org/10.1016/j.jbankfin.2023.106854
Ma, Q., Tan, Y., He, Y., Cheng, L., & Wang, M. (2024). Why does mobile payment promote purchases? Revisiting the pain of paying, and understanding the implicit pleasure via selective attention. PsyCh journal, 13(5), 760–779. https://doi.org/10.1002/pchj.765
Wang, M., Ling, A., He, Y., Tan, Y., Zhang, L., Chang, Z., & Ma, Q. (2022). Pleasure of paying when using mobile payment: Evidence from EEG studies. Frontiers in psychology, 13, 1004068. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2022.1004068
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